Führung und Macht I

Der Begriff „Macht“ weckt häufig negative Gefühle. Die deutsche Historie des 20. Jahrhunderts mag der Anlass sein – sehr verständlich. Und doch ist zu unterscheiden:

 

 soziale Macht  Herrschaftsbedürfnis
Dienst: der Einfluss nützt allen in der Organisation/dem Unternehmen will andere beherrschen
Die Ziele von Führungskraft und Mitarbeitern stimmen überein Die Ziele stimmen nicht überein
Der Machtinhaber schätzt die ihm Anvertrauten Der Machtinhaber will sich selbst Privilegien verschaffen
wirkt konstruktiv wirkt destruktiv
Die Mitarbeiter konzentrieren sich auf den Kunden Die Mitarbeiter schauen auf den Chef statt auf den Kunden
schafft eine erfolgreiche Organisation führt mittel -und langfristig zum Misserfolg
fördert persönliches Wachstum bei Führungskraft und Mitarbeitern wirkt selbstzerstörerisch

 

Schauen wir uns um, schauen wir auf uns selbst: Wem geht es worum?
Und: Wie wird mit Macht umgegangen?

Negativ: Aggressives und kritisierendes Verhalten, verbale Dominanz, Sturheit. Die Folge ist: Durchhalten auch im Irrtum. Wer sich allerdings so durchsetzt, hat noch nicht gewonnen.

Positiv: Der Chef der Trainerfirma Coccomin  begibt sich 100 Tage auf Weltreise, „ohne jeglichen Kontakt zu seinen Leuten. Die, plötzlich in die Eigenverantwortung geworfen, brachten die Firma währenddessen derart auf Vordermann, dass nun schon von Umsatzverdoppelung die Rede ist.“ (SZ)

Ich selbst trainierte den Geschäftsführer eines Möbelhauses innerhalb eines Jahres 7 x 3 Tage. Am Ende des Trainings berichtete er etwas verwundert, dass der Umsatz um etwa 15% gestiegen sei, obwohl er 21 Tage nicht im Unternehmen war. Prompt fragte ihn ein Kollege, ob er 21 Tage lang  als ein Störfaktor ausgefallen sei.

Was hat das mit „Führung und Macht“ zu tun?

Ein Leader verzichtet auf Einfluss und damit auf Macht und gewinnt. Er gewinnt im Beispiel die Motivation seiner Mannschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen und für sich selbst Zeit für eine Weltreise.
Es ist wie im Lehrbuch: Delegation ist geschenktes Vertrauen – als Lohn erhält man Lebenszeit.

Klar: Die Delegation erfolgt reifegradspezifisch und auf der Basis vereinbarter, messbarer Ziele.
Dies ist eine bewusste Entscheidung.

 

Nächste Woche in Führung und Macht II:

Was macht man mit „Führungskräften“, denen Macht – zum Beispiel „Richtlinienkompetenz“  – verliehen wurde, um sie zum Wohle des Ganzen zu nutzen und sie nutzen sie nicht?