Führen in Konflikten IV

Eine weitere Art einen Konflikt zu lösen ist das “Nachgeben”.

Die positive Seite des Nachgebens innerhalb eines Konflikts, beschreibt ein Satz aus dem I Ging, einem Lehrbuch für die chinesischen Kaiser: „Fürchte dich nicht vor der Auseinandersetzung, denn sie wird die Situation bereinigen.“

Es gilt, der Unordnung entgegen zu treten, bevor sie auftritt – und Verantwortung zu übernehmen. Nach Colin Powell: „Wenn Konsens nicht funktioniert und das Problem besteht weiter, dann muss etwas geschehen. Weil sonst das Chaos Raum greift und sich Aggressionen ausbreiten. Auf diese im Chamberlain – Stil mit faulem Kompromiss zu reagieren, ist nicht der Konfliktstil, der Person oder der Situation angemessen ist. Dies gilt auch für unbewegliche Unternehmen, in denen häufig nur eine kompromisslose Strategie zum Erfolg führt.

So Jack Welch auf die Frage nach seinem größten Fehler: „Ich war insgesamt zu vorsichtig. Bürokratische Strukturen in großen Organisationen brauchen eine massive Dosis von Veränderungen und nicht die ängstliche Neukonzipierung, in kleinen Veränderungsschritten.“ Oder Hartmut Mehdorn: „Wenn Sie etwas verändern wollen, müssen Sie eine Krise beschwören.“

An welche Unternehmen denken Sie, wenn Sie dies lesen? Wo gibt es in Ihrer Organisation Anlass, etwas positiv durchzusetzen?

Wenn Sie kämpfen wollen, um etwas durchzusetzen, dann achten Sie auf eine vernünftige Wahrscheinlichkeit, dass es Ihnen gelingt. Und wenn es gelungen ist, triumphieren Sie nicht! (Wie Politiker nach der Koalitionsvereinbarung im Oktober 2009) Was sagt Pippi Langstrumpf dazu? „Wenn man sehr stark ist, muss man auch sehr nett sein.“

Wichtig ist, die Seele wie einen Muskel auf konfliktträchtige Situationen vorzubereiten.

Ein beispielhafter Gesprächsverlauf: zeigt Ihnen was ich damit meine:

Ihr Gesprächspartner sagt: „Sie wollen mit mir doch nicht über ein lächerliches halbes Prozent streiten? Sie antworten wohl überlegt: „Tun wir beide nicht das Gleiche?“

Negativ ist der Zwang, sich auf jeden Fall durchsetzen zu müssen, sich gut zu fühlen auf Kosten anderer: „Ich bin auf Krawall gerüstet“ verkündet ein Mitarbeiter, als er morgens das Büro betritt. Solche Menschen verpassen keine Gelegenheit, Streit zu bekommen.

Davon distanziert sich Fußballmanager Willi Lemke (SZ 2.2.09): „Ich halte nichts von der Methode, die Ellbogen auszufahren und Leute abzugrätschen, nur um mehr Erfolg zu haben.“ Stimmt! Denn die Niederlage des Gegners kann in den Terror der Rache münden.

Negatives Durchsetzen setzt Positionsmacht ein, wirkt aggressiv und kritisierend. Solche Menschen sind sprachlich dominant. Sie wollen mit zu viel Willensstärke mit dem Kopf durch die Wand. Es gilt das Motto: „Was sind 10 Millionen gegen das Gefühl persönlicher Genugtuung?“

Perfektionismus ist häufig die Wurzel für das Sich-durchsetzen-wollen.

So sagt der Deutschlehrer zum Schüler: „Nicht einmal Schiller hätte bei mir eine 1 bekommen.“ (Strenge – Effekt)

Machen Sie sich bitte folgende Gedanken: Beim wem haben S i e ständig den Finger am Drama-Knopf? Bei wem treffen Sie immer wieder den wunden Punkt? Wem gegenüber sind Sie unfähig, Frieden zu schließen?

Beim negativen Durchsetzen ist zu bedenken, dass es isolierend wirken kann und jeder Kampf ist eine potenzielle Niederlage – denn: „wer zuerst schießt, stirbt (häufig) als Zweiter.“

Als Erinnerung hier eine Übersicht der unterschiedlichen Konfliktstile: